Das Zahnzentrum Westerwald in der Entstehung: Interview mit Innenarchitektin Imke Asche

Die Gestaltung einer komplett neuen Zahnarztpraxis ist ein komplexer Prozess. Viele Menschen und Meinungen sind nötig, damit aus einem Praxistraum Realität wird. Eine zentrale Rolle spielen natürlich die kreativen Gedanken von Designern und Architekten. Unser Dentaldepot, die Pluradent GmbH aus Offenbach, hat Imke Asche beauftragt, dem Zahnzentrum Westerwald Licht, Farben und Stimmungen zu verleihen – wir haben mit der Innenarchitektin aus Osnabrück gesprochen.

Liebe Frau Asche, seit mehr als einem Jahrzehnt geben Sie Zahnarztpraxen Form, Farbe und damit auch ein Gesicht. Wie hat sich das Design für Zahnarztpraxen in dieser Zeit gewandelt?

Es wird gemütlicher. Nicht überall, aber viele mögen lieber einen warmen und persönlichen Touch in der Gestaltung. Das neutrale und teilweise grelle Weiß ist – zum Glück – nicht mehr flächendeckend vorzufinden. In der neuen Praxis von Dr. Reiter wird man die Farbe Weiß regelrecht suchen müssen.

Welche wesentlichen Fragen werden geklärt, bevor es an die ersten Ideen und Skizzen geht?

Alle Grundlagen zur Planung müssen ermittelt werden. Das heißt: Welche Fläche ist vakant und wie viele Zimmer mit welchen Anforderungsprofilen sind gewünscht?. Welche Form des Empfangs soll vorgesehen werden: sitzend oder stehend? Gibt es den Wunsch, Raum für Patientenvorträge zu schaffen? Soll dafür ein extra Raum geschaffen werden, oder eine Art Multifunktionsraum? Sollen Laborräume eingerichtet werden und in welchem Umfang? Es gibt jede Menge Fragen zu klären, bevor es mit den ersten Ideen zu Design und Gestaltung einer Zahnarztpraxis losgehen kann.

Wie gehen Sie in der Regel an ein solches Projekt heran? Beispiel, das Zahnzentrum Westerwald. Was sind die ersten konkreten Schritte?

Nach der Grundlagenermittlung starte ich erst einmal mit diversen Skizzen, einer groben Einteilung der Fläche, bis zu ersten Grundrissideen. So entsteht eine Vision von dem, was es später wird.

Wie können wir uns das erste Gespräch mit Dr. Reiter vorstellen: ein Brainstorming, in dem jeder seine Idee einbringt, oder ging es da schon um konkrete Anforderungen?

Ein Brainstorming trifft es recht gut. Jeder wirft alles in den Raum, was er sich für die neue Praxiszukunft wünscht und vorstellt: mehr Platz, mehr Licht, große Räume, Raum für Begegnung mit Personal und / oder Patienten. Ich filtere mir die konkreten Anforderungen aus diesem Potpourri heraus und „nerve“ dann mit lästigen Fragen.

Worüber diskutieren Sie mit Praxisinhaber*Innen in der ersten Phase der Gestaltung hauptsächlich – und warum?

Manchmal gibt es Wünsche, die der äußere Baukörper einfach nicht hergibt. Oder den Wunsch, das eine oder andere genauso zu gestalten wie in der alten Praxis, weil das da jetzt so schön ist. Im Zusammenhang mit einer neuen Raumaufteilung ist dies häufig nicht eins zu eins umsetzbar.

Welche Punkte führten bis heute zu Diskussionen mit Dr. Reiter? Geht es da um Geschmack, oder um die Vereinbarkeit von Wunsch und Wirklichkeit?

Ich kann mich an keine richtigen Diskussionen erinnern. Es läuft alles äußerst harmonisch. Der einzige Punkt an dem wir lange „rumgedoktert“ haben, ist ein Gardinenstoff für den Wartebereich und Tapeten – da sind wir nicht sofort auf einen Nenner gekommen.

Worauf hat Dr. Reiter denn von Anfang an seinen Schwerpunkt bei der Gestaltung gelegt, gab es konkrete Vorstellungen, oder durften Sie “erst mal machen”?

Oh ja, es gab konkrete Gestaltungswünsche. Es sollte eine „Musikpraxis“ werden. Ich verrate jetzt aber (noch) nicht, was wir daraus gemacht haben.

Wie beschreiben Sie Ihre Design- und Gestaltungsidee für das neue Zahnzentrum in Wirges?

Das Zahnzentrum Westerwald wird eine Mixtur aus klassischen, modernen und musikalischen Komponenten. Ich freue mich schon sehr auf das Ergebnis!

Auffallend sind die neuen Farben der Praxis, die sich auch im Logo wiederfinden. Welche Ideen verbinden Sie mit der Farbwahl?

Ich finde Grün wunderbar und bin glücklich, dass wir diese Farbwelt in die Gestaltung der Praxis aufgenommen haben. Mit der Farbe verbinden wir konkrete Wirkungen und Assoziationen:

  • Entspannung
  • Lebendigkeit
  • Natur: Flora & Fauna
  • Fruchtbarkeit
  • Wachstum
  • Hoffnung
  • Gelassenheit
  • Vernunft
  • Balance
  • Toleranz

Zudem steht Grün für viele positive Bedeutungen:

  • natürlich
  • entspannend
  • ruhig
  • positiv
  • harmonisch
  • erholsam
  • heilend
  • regenerierend

Was bedeutet für Sie der Einsatz von Farben in der Zahnarztpraxis für Sie – auch eine Art Statement?

Es ist eine Art Statement – auf jeden Fall! Wer alles in „Weiß“ gestaltet, der will nichts falsch machen. Ich bekräftige jeden Kunden, ein „Farb- Statement” zu setzen! Es sagt etwas über jeden Einzelnen aus. Und das Beste ist, dass jeder Betrachter etwas anderes daraus liest.

Wenn das Zahnzentrum Westerwald im kommenden Frühjahr eröffnet wird, dann staunen die Besucher vor allem über … ?

Unsere Mixtur – es wird anders aussehen, als eine Zahnarztpraxis normalerweise daherkommt und darauf freuen wir uns alle sehr.

Was sind Ihre persönlichen Highlights bei der Gestaltung der neuen Praxis?

Es gibt für mich nicht ein Highlight. Ich freue mich auf die Gesamtwirkung – das ist mein Highlight.

Letzte Frage. Über welchen Zeitraum sprechen wir – vom ersten Kontakt mit Ihnen bis zum fertigen Design?

Das hängt immer vom individuellen Zeitrahmen ab. Aber ein halbes Jahr braucht man definitiv, um ein gutes Konzept zu entwickeln. Darauf folgt die jeweilige Bauzeit im Neubau oder Bestandsgebäude. Das erste Treffen mit Herrn Dr. Reiter fand im August 2017 statt. Also haben wir gemeinsam an diesem Projekt bis zur Fertigstellung im April 2021 fast vier Jahre gearbeitet.


Wir bedanken uns herzlichst bei Innenarchitektin Imke Asche für den spannenden Einblick und sind mit Sicherheit genau so gespannt, wie unsere Architektin. Pläne im Kopf und auf dem Papier sind das Eine – das alles dann in der Realität zu sehen, das wird sicher ein ganz besonderer Moment. Und klar: Wir werden uns die Auswahl der Gardinen und Tapeten in jedem Fall ganz genau anschauen und fragen, wer sich am Ende durchgesetzt hat.